Abnehm-Fehler #6: Die verflixten Kalorien

Willkommen bei Abnehm-Fehler Nummer 6. Kalorien zählen oder nicht zählen - das ist jetzt die Frage. Du erfährst gleich, wie viele Fehler du allein rund ums Zählen der lieben Kalorien machen kannst. Es sind mehr als du denkst. Du wirst staunen. Sei ruhig schon mal gespannt.

Abnehm-Fehler Kalorien

Abnehm-Fehler #6: Die verflixten Kalorien

Du weißt, dass du abnimmst, wenn du mehr Kalorien verbrennst, als du über Essen und Trinken zu dir nimmst. Das klingt herrlich einfach. - Ist es auch!
Aber nicht, wenn du deine Kalorienbilanz mathematisch genau berechnen willst. Es wäre zu schön, aber leider funktioniert das nicht. Denn du rechnest immer nur mit Durchschnittswerten.

Stell dir mal ein Paar Schuhe vor. Ein Schuh ist eine Nummer kleiner als du ihn brauchst, der andere eine Nummer größer. Könntest du in diesen Schuhen laufen, nur weil sie im Durchschnitt die richtige Größe für dich haben?

Mit solchen Durchschnittswerten hast du es aber auf beiden Seiten deiner Kalorienbilanz zu tun. Und da gibt‘s ziemlich viele Paar Schuhe, die DIR nicht passen. Schau mal selber:

#6a Abnehm-Wissen: Wie viele Kalorien pro Tag braucht dein Körper, um nicht zuzunehmen?

Braucht dein Körper täglich 2000 kcal? 2500? Oder nur 1600? Eine bekannte Formel, die deinen Verstand bedient, ist diese:

Grundumsatz + Leistungsumsatz = Tagesumsatz.

Der Grundumsatz ist der Kalorienverbrauch, den du im Ruhezustand ohne körperliche Aktivität hast. Die Energie, die du für die Erhaltung aller lebenswichtigen Funktionen brauchst, wie Atmung, Herzfrequenz, Aufrechterhaltung der Körpertemperatur usw.

Der Leistungsumsatz ist die Menge an Energie, die wir für die körperliche Aktivität benötigen. Sport zählt genauso dazu wie dein Job, Zähneputzen oder der Gang zum Kühlschrank.

Nun gibt es beliebte Formeln, die beim Grundumsatz Geschlecht, Alter, Gewicht und Körpergröße berücksichtigen. Das klingt differenziert. Aber glaubst du wirklich, dass wir alle uns nur in diesen vier Kriterien unterscheiden? Das tust du nicht. Und du hast recht damit. Kämen noch zwanzig weitere Kriterien dazu, wäre es immer noch nicht differenziert genug. Beim Leistungsumsatz ist es nicht anders. Das Ergebnis der besten Formel in Sachen Kalorienzählen ist und bleibt ein Durchschnittswert. Aber DU bist doch nicht Durchschnitt!

abnehm-fehler ausrechnen

Und egal wie gut du in Mathe warst, eines ist dir jetzt sicher klar: 

Ein durchschnittlicher Grundumsatz + ein durchschnittlicher Leistungsumsatz
kann nie einen genauen Tagesumsatz ergeben

Genaues Rechnen bringt dich also hier nicht weiter. Wenn du kannst, dann lass es. Abnehmen geht auch wunderbar ohne Rechnen. Wenn du das Richtige isst.

Falls du dich aber immer noch nicht vom Rechnen verabschieden kannst, dann geb ich dir hier einen Tipp: Lass den Leistungsumsatz außer Acht. Nimm nur den durchschnittlichen Grundumsatz als dein Limit für die Kalorienaufnahme.

Grundumsatz ausrechnen

Wir haben mal einige der Tages- oder Grundumsatz-Rechner im Netz getestet. Alle kommen – ein paar Kalorien hin oder her – zu demselben Ergebnis. Unserer Meinung nach ist dieser Wert zu hoch. Einen realistischeren Grundumsatz ergibt folgende einfache Faustformel von Walter Börckes, einem Sportwissenschaftler:

  • Für Männer Körpergewicht mal 10 plus 900
  • Für Frauen Körpergewicht mal 7 plus 700

Eine Frau mit 65 Kilo hat demnach einen ungefähren Grundumsatz von 1150 Kalorien, ein Mann mit 75 Kilo etwa 1650 kcal.

Und wenn du jetzt innerlich aufschreist und meinst, das sei viel zu wenig, dann denk mal drüber nach, ob dich nicht genau das bisher aufgehalten hat, dein Ziel zu erreichen.

#6b Abnehm-Wissen: Wie viele Kalorien nimmst du wirklich zu dir?

Ein ganz klassischer Fehler ist, dass wir häufig die Kalorien dessen, was wir tagsüber so alles zu uns nehmen, zu niedrig einschätzen. Drei Gründe, warum das so ist, findest du hier:

Grund Nr. 1: Es gibt keine exakten Werte

Wir glauben, dass die Angaben in Kalorientabellen genau sind – und lassen uns beim Kalorien zählen von einer Scheingenauigkeit täuschen. ALLE Kalorienangaben sind immer nur Durchschnittswerte. Eine Angabe, die ich gerade gegoogelt habe:

Mittelgroßer Apfel      130 – 170g      81 kcal

Mal angenommen, du isst so einen mittelgroßen Apfel. Wenn du ihn jetzt in deiner Kalorienbilanz mit 81 kcal (oder was auch immer deine Tabelle angibt) berücksichtigst, machst du unbewusst einen Fehler. Aber wo steckt der? Ich sage es dir: Die Angabe "81 kcal" vermittelt dir den Eindruck der Genauigkeit. In Wirklichkeit ist sie aber alles andere als genau!

Stell dir vor, du hast einen 170g schweren Apfel. Das wären also 81 kcal. Von dem Apfel schneidest du jetzt 40g raus. Das ist knapp ein Viertel. Dann hat der Apfel 130g. Und nach dieser Tabelle hat er: 81 kcal. Hmmm. Fällt dir was auf`? Und dann wäre da noch der Apfel an sich. Glaubst du nicht auch, dass die Apfelsorte einen Einfluss auf die Kalorien hat?

Der Zuckergehalt bei den modernen Supermarkt-Apfelsorten liegt in der Regel so bei 10 bis 13 Gramm. Bei alten Apfelsorten ist die Spanne wesentlich größer. Da liegt der Wert zwischen 5 und 35 Gramm pro 100 Gramm Apfel. Übrigens, dass ein saurer Apfel weniger Kalorien hat als ein süßer stimmt nicht. Saure Apfelsorten haben meist nicht mehr Zucker als ihre süßen Artgenossen, sie haben bloß mehr Säure.

Du siehst an diesem einfachen Beispiel, dass dich solche Angaben in Sachen Genauigkeit nicht weiterbringen. Noch schwieriger wird es bei Speisen mit verschiedenen Zutaten. Und wenn du glaubst, dass die Angaben auf Verpackungen genau sind, dann liegst du leider daneben. Denk daran, auch die Hersteller haben es mit Durchschnittswerten zu tun.

Wenn nun auf einer Lebensmittelverpackung ein Zuckergehalt von 8,5 g/100g angegeben ist, gibt es wegen der Durchschnittswerte einen zulässigen Toleranzbereich – der liegt in diesem Beispiel zwischen 6,5 g und 11 g/100 g.

Was bedeutet das jetzt? Das bedeutet, dass dieses Produkt auch 11g Zucker – mit den dazugehörigen Kalorien - enthalten darf, obwohl nur 8,5g auf der Verpackung stehen. Solche Toleranzbereiche gibt es übrigens für alle Angaben auf der Verpackung (Fett, Kohlenhydrate, Eiweiß usw.).

Nach der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) der EU-Kommission dürfen die Verpackungsangaben von den tatsächlichen Werten über den Daumen gepeilt um +/- 20% abweichen. Also: Kalorienangaben können nie genau sein. Auch nicht, wenn du eine App benutzt.

Wenn du jetzt unsicher bist, ob das Kalorienzählen wirklich Sinn macht: Es hilft dir auf jeden Fall, dir bewusst zu werden, was du isst. Meine Empfehlung ist: Lass das Kalorienzählen einfach sein. Du kannst genauso abnehmen ohne.

Grund Nr. 2: Gesund bleibt unter dem Kalorienradar

Morgens ein großer Milchkaffee ohne Zucker. Mittags in der Kantine nur ein Salat und ein Glas frisch gepresster Saft. Nachmittags noch ein Milchkaffee. Kurz nach Vier: Hunger - und du schnappst dir einen Apfel. Eine Stunde später: Wieder Hunger. Es nervt. Du machst die Packung mit Reiswaffeln auf. Nur zwei Stück. 18:00h, Feierabend. Zuhause, während du kochst, siehst du die appetitlich grünen Trauben. Du nimmst dir ein paar, Obst ist ja gesund. Abendessen. Endlich, du hast es dir verdient. Zufrieden mit dir und der Welt fällst du danach auf die Couch. Heute brauchst du keine Chips. Und du holst dir was Gesundes zum Knabbern: ein paar Nüsse - Kennst du solche Tage?

Zwei Milchkaffee, ein Glas Saft, ein Apfel, 2 Reiswaffeln, ein paar Trauben, ein paar Nüsse: Ganz grob 850 unbewusste Kalorien! Hättest du das gedacht? Du hast dir keine Naschereien erlaubt - und trotzdem ist dieser Abnehmtag für die Tonne.

Gesund heißt leider nicht kalorienfrei!

Du siehst, dass du wirklich alles, was du isst oder trinkst berücksichtigen musst.

Grund Nr. 3: Die unbewussten Nebenbei-Naschereien / Zwei Kekse - 5 Kilo

Gerade wenn du Stress oder Langeweile hast, ist die Gefahr besonders groß, unbewusst zu essen. Perfektes Marketing setzt sogar noch einen drauf, indem es uns konditioniert, unbewusst zu naschen: „Morgens halb zehn in Deutschland.“ Du kennst das? Zeit für ein Frühstückchen. Für eine „klitzekleine“ Milch-Haselnuss-Schnitte. Oder vielleicht schnell im Vorbeigehen hier drei Grummibärchen, da ein Stückchen Schokolade.

Weil diese Nebenbei-Naschereien bewusst oft nicht wahrgenommen werden, tauchen sie in der Kalorienbilanz auch nicht auf. Das wäre nicht weiter schlimm. ABER

Und jetzt pass gut auf: Wenn du nur zwei Kekse am Tag mehr isst als du an Kalorien verbrauchst, nimmst du in einem Jahr gut 5 Kilo zu!

Rechne ruhig nach: 100 kcal x 365 = 36500 kcal. 36500 kcal geteilt durch 7000 kcal (Durchschnittswert Körperfett) = 5,21 kg.

Die beiden Schoko-Kekse auf dem Bild haben übrigens nicht 100 kcal sondern fast 200 kcal. In diesem Fall wären 2 Kekse – 10 Kilo.

abnehm-fehler kekse

2 Kekse – 5 Kilo!

Das Gute daran: Es funktioniert umgekehrt genau so.
2 Kekse weniger als dein Tagesumsatz und du nimmst in einem Jahr sichere 5 Kilo ab. Einfach so.

2 Kekse - 5 Kilo! Abnehm-Fehler #6 - nicht schlecht, oder? Es wird noch besser:

Abnehmfehler 7 und 8

 

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